dreivondrei besteht aus Madita und Elena, zwei Kommunikationsdesignerinnen aus Mannheim. Als Teil einer neuen Generation sind sie bereits früh in ihrer Karriere mit KI in Berührung gekommen und geben einen frischen Einblick in eine sich schnell verändernde Branche.
Könnt ihr euch kurz vorstellen und erzählen, was ihr bei dreivondrei genau macht und an welchen Projekten ihr arbeitet?
Wir sind Elena und Madita, die zwei von dreivondrei! Wir brennen dafür, aus guten Ideen starke Brands zu machen, die relevant, sichtbar und wirkungsvoll kommunizieren. Dabei entwickeln wir Markenstrategien, Kommunikationskonzepte und passende Brand Assets. Ob Rebranding, Kampagnen, Packaging, Webdesign, Messestandentwicklung oder Leitsysteme – wir lieben es, spezifische Lösungen zu finden, die funktionieren und wirklich zur Marke passen.
Wann seid ihr zum ersten Mal bewusst mit KI-Tools im kreativen Kontext in Berührung gekommen?
Ich (Madita) erinnere mich noch gut an einen der ersten Arbeitstage, an dem ein Kollege um die Ecke kam und meinte: „Ey, warum sitzt ihr denn seit drei Tagen an dem Textentwurf? Das braucht ihr nicht mehr. Geht mal auf OpenAI, tippt das Konzept ein und lasst euch das Ergebnis rausspucken.“ Das war ungefähr Januar 2023.
Das war so ein kleiner Reality-Check-Moment, wo wir gemerkt haben: Okay, da verändert sich gerade etwas.
In welchem Kontext nutzt ihr aktuell KI-Tools?
Wir nutzen KI punktuell und gezielt als Impulsgeber. Bei Texten kann es hilfreiche Anstöße geben, wir legen aber großen Wert darauf, die Texttonalität immer entsprechend dem Projekt und Kontext anzupassen und eine persönliche Note einzubringen. Bei der Bildbearbeitung ist es nützlich, um Zeit zu sparen und schnell Bilder zu erweitern oder Varianten zu erzeugen. Gerade loten wir die Grenzen aus, wie gut es KI gelingt, statische Fotos in Bewegtbild zu übersetzen und realistische Shots zu imitieren.
Wie glaubt ihr, wird sich der Beruf des Designers durch diese Entwicklung in den nächsten Jahren verändern?
Wir merken, wie die Technik jeden Tag besser darin wird, fertige Endprodukte zu produzieren. Aber gleichzeitig war es von Anfang an so: Je besser der Prompt, umso besser das Ergebnis.
Das heißt, je klarer man darin ist, was man möchte, zu welchem Zweck und mit welcher Intention, desto besser funktioniert auch das Tool.
Wir glauben, dass es in den nächsten Jahren so eine Art Split geben wird. Es wird einen Teil der Branche geben, der eher als Director arbeitet und KI gezielt für die Umsetzung nutzt. Und es wird einen kleineren Teil geben, der bewusst beim händischen Handwerk bleibt.
Beides hat absolut seine Berechtigung. Aber wie bei vielen Dingen, die ein bisschen aus der Mode kommen, wird das „Handwerk“ vermutlich nischiger und gleichzeitig auch exklusiver und teurer.
Hat sich eure Arbeitsweise oder die Kommunikation innerhalb von Projekten bereits verändert?
Klar haben sich in der Umsetzung schon einige Arbeitsweisen verändert. Dinge gehen schneller, manche Schritte fallen weg oder verschieben sich.
Aber was für uns konstant bleibt, ist der Kreativprozess dahinter. Die eigentliche Ideenentwicklung – vom Brainstorming über User Empathy und Research bis hin zum fertigen Konzept – funktioniert immer noch gleich. Und genau da entsteht ja auch der eigentliche Wert.
Ihr arbeitet sowohl mit Start-ups, Lifestyle-Brands und städtischen Unternehmen. Welche Erfahrungen habt ihr beim Einsatz von KI mit diesen unterschiedlichen Kunden im Vergleich gemacht?
Ein großer Unterschied liegt im Rechtlichen. Also die Frage: Darf ich das überhaupt nutzen?
Gerade für öffentliche Einrichtungen kann das deutlich mehr Konsequenzen haben, deshalb wird dort im Vorhinein auch viel intensiver geprüft, ob KI aus datenschutzrechtlichen Gründen überhaupt zum Einsatz kommen darf.
Bei Start-ups beobachten wir eher das Gegenteil: Da gilt oft „je schneller, desto besser“. Da wird in Kauf genommen, dass Server vielleicht in Amerika stehen – Hauptsache, es passiert etwas und man kommt schnell voran.
Wir sehen gerade in Marketing- und Branding-Themen starke Unterschiede, wie gezielt und gekonnt KI genutzt wird oder ob sie einfach automatisiert eingesetzt wird. Die Unterschiede liegen im Detail: Texte, die rein KI-generiert sind, erkennen wir meistens sofort, ebenso Logos und Gestaltungsansätze, die rein generisch sind und sich in der Masse der schnell produzierten Assets gar nicht abheben.
Auf Plattformen wie LinkedIn liest man momentan oft, dass Designer theoretisch komplett durch KI ersetzt werden könnten. Wie sind da eure Eindrücke aus der Praxis?
Die LinkedIn-Posts wurden wahrscheinlich von ChatGPT persönlich formuliert.
Wir vermuten, dass sich noch viel verändern wird und sich auch unser Beruf weiterentwickelt. Wir sind aber überzeugt, dass es immer mehr um das Menschliche gehen wird. Es wird weiterhin kreative Köpfe brauchen, die verstehen, wie Menschen denken, fühlen und entscheiden – und die in der Lage sind, komplexe Themen so zu übersetzen, dass andere sie nachvollziehen können.
Wir sehen uns Designer schon immer als Problemlöser und Übersetzer und glauben, genau das bleibt auch im Kern bestehen. Die Tools verändern sich – aber die Rolle dahinter bleibt.
Viele junge Designer haben aktuell etwas Sorge, wie sich die Situation mit KI in der Branche noch entwickeln könnte. Ihr seid ebenfalls noch jung in der Branche. Wie geht es euch da?
Sich Sorgen zu machen, bringt am Ende nicht viel. Solange man Neugier, Empathie, Beobachtungsgabe und kritisches Denken mitbringt, ist man gut aufgestellt – egal, was kommt.
Improvise, adapt, overcome.